Was wäre, wenn es im echten Leben so zuginge wie im Internet. Du müsstest schon aufgrund deiner Anwesenheit jederzeit mit einer Verhaftung rechnen. Leider sind die Folgen einer Abmahnung für Datenrechts-Verletzungen wesentlich realer, als die Möglichkeiten, sich vor ihnen zu schützen.

Dieser Artikel ist eine Reaktion auf einen Diskussionsanstoß durch den Blog PadLive (den Artikel findet ihr hier:  Blogger und der Datenschutz) und den Antwortartikel von Michael aka Nimbert (nachzulesen unter http://nimbert.de/2011/04/06/bloggen-und-datenschutz/). Ich argumentiere daher bewusst einseitig und polemisch, denn ein ausgewogenes Bild bekommt ihr ja, wenn ihr euch die genauso richtigen Argumente meiner Vorredner zu Gemüte führt.

Das Internet bietet Idealisten die Möglichkeit, Ideen, Informationen, Reaktionen zu publizieren, die in der großen Medienwelt niemals das Licht der Welt erblickt hätten. Die Kosten sind extrem gering, das einzige, was man einsetzen muss, ist seine Arbeitszeit und -kraft. Und die bringt der Idealist, sobald es um seine Ideale geht, mit Leichtigkeit auf.

Es scheint so zu sein, dass viele Leser von den Ergebnissen dieses Idealismus gerade deswegen ansprochen werden, weil sie jemand  geschrieben hat, der nicht die Erwartungen eines Chefredakteurs im Hinterkopf hat, dem Auflagen und Anzeigenkunden völlig egal sein können. Ich wundere mich nicht selten über mich selbst, wenn ich glücklich den Artikel eines freien Autors zu irgendeinem Thema lese, das kilometerweit entfernt von meiner Tasse Tee liegt, während ich  den etablierten Medien immer skeptischer gegenüberstehe, selbst wenn sie mein Feld beackern, wenn sie mir Informationen ankündigen, die mich direkt betreffen. Ich habe einfach zu oft die Erfahrung gemacht, dass dort Fragen unbefriedigend oder gar nicht beantwortet werden, nachdem kolumnenweise um den heißen Brei herumgeredet wurde. Der Autor hat den Artikel geschrieben, um a) die vorgegebene freie Fläche mit Text zu füllen,  b) den Leser mit einer beunruhigenden oder hoffnungsvoll stimmenden Einleitung zu binden, ihn dann möglichst lange auf der Seite zu halten, so dass er die Inserate zahlender Anzeigenkunden wahrnehmen muss, nur um c) weil er keine echte weiß, dem Leser eine nutzlose Pseudo-Lösung zu servieren, die möglichst so clever formuliert ist, dass man sie als solche nicht sofort erkennt. Man könnte Spam dazu sagen. Es hat nichts mit der Person des Autors oder des Lesers zu tun. Zwei Menschen vergeuden ihre Zeit, und einer verdient Geld dabei.

Diese Verhältnisse, das Fehlen von Authentizität in allen Lebensbereichen, das beim Journalismus als besonders schlimm empfunden werden muss, bedeutet einen Mangel, der dazu geführt hat, dass sich Menschen wie Verdurstende auf das stürtzen, was Kleinst-Blogger aus nichts anderem als purem Eigeninteresse heraus produzieren. Von diesen Schreibern erfährt man wenigstens, was sie eigentlich wollen, und wenn es nur ist, über ihre Briefmarkensammlung zu reden.

Ein Gespenst, das in der Blogger-Szene umgeht, ist die Angst vor Abmahnungen aufgrund von Verstößen gegen das Datenrecht. Diesem versucht man durch immer geschicktere Formulierungen im Impressum und durch Meidung gewisser Features wie dem Facebook Like-Button zu entgehen, wogegen im Grunde auch nichts einzuwenden ist. Aber ich vermisse in dieser Frage ein wenig das politische Aufbegehren. Das Bloggen ist unter dem Gesichtspunkt, wie ich ihn oben dargelegt habe, ein politsches Handeln, und ich würde mir wünschen, dass die authentische Meinung, die ansonsten in den Blogs vertreten wird, auch gegenüber der Abmahn-Praxis einiger (wahrscheinlich vieler) Anwälte und Firmen geäußert würde.

Es ist schon seltsam, dass ich den Gedanken nicht abschütteln kann, ein Artikel gegen die Abmahn Industrie würde die Aufmerksamkeit dieser Leute erst recht auf mich lenken, und das Risiko, dass es mich als nächsten erwischt, erhöhen, weil ich gleichzeitig auch nicht den Like-Button entfernen möchte, weil ich ihn ja gut finde. Sag nichts Falsches, sie finden dich.  Sie können dich die ganze Zeit sehen. Das fühlt sich schon 1984 mäßig an, wo doch genau dieser Zustand durch Datenschutz-Gestetze verhindert werden sollte.

Ich glaube nicht, dass es auf Dauer gutgehen kann, wenn authentisch handelnde Menschen versuchen, den Datenschutz-Vorgaben zu genügen, während es den vermeintlichen Datenschutz-Wächtern in keinster Weise um Datenschutz geht, eigentlich um überhaupt kein eigenes Interesse außer dem Gewinn. Zu versuchen, diesen Leuten zu erklären, warum sie einen nicht abmahnen sollen, macht keinen Sinn. Auf lange Sicht muss man es ihnen einfach verbieten.

Ich möchte mal behaupten, dass eine Abmahnung wegen eines Facebook-Buttons dem Rechtsempfinden einer breiten Mehrheit in der Bevölkerung absolut zuwider läuft. Warum hat das keine Konsequenzen? Warum werden keine Gesetze erlassen, die die schlimmsten Auswüchse der Abmahn-Wirtschaft verhindern,  die unsere Gesellschaft finanziell und überhaupt schädigen. Ich bin sogar der Meinung, dass es bereits Mittel gäbe, hiergegen vorzugehen, dass vielen Rechtsanwälten aufgrund ihrer Praxis die Zulassung entzogen werden müsste. Das könnt ihr jetzt als idealistisches Wunschdenken belächeln, aber wie schon gesagt, wäre ich kein Idealist, wäre ich nicht hier und müsste mir somit auch keine Gedanken darüber machen.

Man kann sich also den Gegebenheiten fügen, sein Impressum regelmäßig umschreiben, alle heiklen Plugins löschen. Oder man kann sagen, ich will hier die Möglichkeit haben, meine authentischen Gedanken zu äußern, und ich will nicht, dass ich oder andere aufgrund von Lapalien in ernste finanzielle Schwierigkeiten gebracht werden können. Ich will nicht, dass Rechtsanwälte oder Firmen mit sinnlosen Abmahnungen Geld verdienen und die Gerichtskosten dabei den Steuerzahler belasten. Ich will die Möglichkeit haben, meine Veröffentlichungen mit sozialen Netzwerken zu verlinken, es ist nicht meine Aufgabe, diese Netzwerke zu kontrollieren.

Nur wenn diese Interessen gäußert werden, verstehen Politiker, Presse und andere einflussreiche Organe, dass es hier Handlungsbedarf gibt. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass das viele mutige Äußern der eigenen authentischen Wünsche die Messlatte für politische Forderungen wieder etwas höher legt. Und dann müsten sich die Doofmänner vielleicht irgendwann offen zu ihrer Forderung bekennen: Recht auf anderen das Geld wegnehmen dürfen. Damit ständen sie schlecht da.

Die Idee, dass es wichtig ist, authentisch zu sein und das zu äußern, was man wirklich selber will, habe ich übrigens nicht aus irgendeinem politischen Pamphlet oder dem Sonntagsbrief der Christlichen Arbeiterjugend, sondern aus dem Buch “Die kompetente Familie” von Jesper Juul, in dem es um Erziehungsfragen geht.

Dirk

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9 Responses to Datenschutz hin oder her

  1. [...] Im übrigen wird der Datenschutz als Hemmnis der Meinungsfreiheit angeprangert. Einen Einfluss auf die Meinungsfreiheit sehe ich auch, halte ihn jedoch durch die Erfordernisse Spam abzuwehren und zugleich die Kommentatoren über die Verwendung ihrer Daten aufzuklären als gerechtfertigt. Dennoch ist der Punkt nicht zu unterschätzen und wurde auch schon vom Kollegen Feldmann in seinem Blog aufgegriffen: “Datenschutz und Meinungsfreiheit“. [...]

  2. [...] und der Datenschutz im WP-Blogger-Blog. Ergebnis? Bisher haben Michael aka Nimbert und Dirk aka Postcardinale das Thema aufgegriffen. Rechtsanwalt Schwenke aka Spreerecht verlinkte zu Dirks Beitrag [...]

    • Dirksen sagt:

      Mein lieber PadLive Gerhard. Da hast du meine Meinung aber sehr stark verkürzt wiedergegeben, und ich vermute, mit Absicht, um eine Reaktion zu provozieren:) Na denn: Ich finde es im Gegenteil sehr wichtig, sich über Datenschutzprobleme Gedanken zu machen. Ich finde, dass Facebook ein einziges, großes Datenschutzproblem ist, und Politiker wie User sollten auf Facebook einwirken, hier Verbesserungen vorzunehmen. Aber für jemanden, der sich einmal entschieden hat, bei dieser Ausspionier-Veranstaltung freiwillig mitzumachen, stellt der Like-Button auf meiner Seite kein zusätzliches Datenschutzproblem dar. Eine Übermittlung von verwertbaren Daten von Nicht-Facebookusern halte ich für technisch unmöglich, schon gar nicht, wenn der Button nicht geklickt wird. Was mich an der Diskussion gestört hat war, dass die Abmahnung immer als eine Art Naturgewalt diskutiert wurde, und nicht, wie ich sie sehe, als ein Ärgernis und vielleicht sogar eine rechtswidrige Handlung. Ich finde es richtig und gut, dass du dir Gedanken um den Schutz der persönlichen Daten deiner Leser machst. Aber einen geldgierigen Rechtsanwalt wird das niemals überzeugen…weil es ihn gar nicht interessiert. Sorry, aber diese Woche wird es mit dem Treffen wohl wieder nichts – der Laden brummt. Wie sieht es mit dem WordPresser Treffen aus? Und ja, ich schaffe mir in Bälde die HTML Codes für Zeilenumbrüche und so weiter wieder drauf. Bis dahin eine gute Zeit in der Frühlingssonne! Dirk

  3. mm77 sagt:

    Für die Zeilenumbrüche sollte man sie verklagen!!!! :-)
    Einfach mal das “” entfernen.
    Schöne Grüße.

    • Dirksen sagt:

      Wer ist mit “sie” gemeint. Die da oben? Meine Frau? Oder sollte es “Sie” heißen? Wenn schon korrekt, dann auch richtig! So, jetzt lege ich mich ohne jeden weiteren Zeilenumbruch wieder hin! Bestens, Dirk

  4. nur mal was testen3 sagt:

    Hallo Hallo

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